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4 Wege, wie du Medizin ohne Numerus Clausus (NC) studieren kannst

In diesem Blogbeitrag geht es vor allem darum, wie ihr mit einem schlechteren Abiturdurchschnitt trotzdem euren Wunsch des Medizinstudiums verwirklichen könnt. Wir haben für euch fünf alternative Möglichkeiten zusammengestellt, die euch helfen, einen Studienplatz im Bereich Medizin zu erhalten. Wartezeitquote, Quereinstieg oder ein Studium bei der Bundeswehr – hier könnt ihr euch vielseitig über die Alternativen informieren!

Bewerbung

Wer Medizin studieren will, kommt um den Begriff Numerus Clausus (NC) nicht herum. Der NC gibt an, welche Abiturdurchschnittsnote benötigt wird, um in diesem Fachbereich studieren zu dürfen. Allgemein handelt es sich also um einen Wert, der die Zulassung an einer Hochschule oder einer Universität für die Bewerber/innen einschränkt. Ohne NC zu studieren, heißt allerdings nicht, ohne Abitur zu studieren. In diesem Blogbeitrag geht es vor allem darum, wie ihr mit einem schlechteren Abiturdurchschnitt trotzdem euren Wunsch des Medizinstudiums verwirklichen könnt.

Quereinstieg in ein höheres Fachsemester

Studierende fachverwandter Bereiche (z. B. Zahnmedizin, Biologie, Chemie, Physik etc.) können sich für einen Quereinstieg in ein höheres Fachsemester der Medizin bewerben. Dies muss allerdings im Voraus durch das Landesprüfungsamt eingestuft und anerkannt werden. Aufgrund dessen, dass die genannten Studiengänge meist zulassungsfrei sind, sehen viele Studenten/innen es als sehr attraktive Möglichkeit, in einem solchen zulassungsfreien Studiengang das Studium zu beginnen und dann als Quereinsteiger in den Fachbereich Medizin zu wechseln. So erhalten sie möglicherweise einen Medizinstudienplatz ohne NC und können sich tendenziell schon einige erworbenen Scheine anrechnen lassen.

Aufgrund der Popularität dieser Vorgehensweise sind die Chancen, durch einen Quereinstieg einen Studienplatz im Bereich Medizin zu erhalten, in den letzten Jahren deutlich gesunken. Damit die Wahrscheinlichkeit steigt, einen der Studienplätze, die unter den Quereinsteigern verlost werden, zu erhalten, müssen relativ viele Studenten/innen ihre Studien in den ersten Semestern abbrechen.

Der Quereinstieg erfordert viel Eigeninitiative und Bemühung. Insgesamt benötigt man drei „große“ Scheine, um ein Semester angerechnet zu bekommen. Zu diesen „großen Scheinen zählen z. B. der Kursus der makroskopischen Anatomie, das Praktikum der Physik für Mediziner oder das Praktikum der Biochemie. Diese Bestimmungen unterscheiden sich jedoch von Bundesland zu Bundesland.

Voraussetzung für die Anerkennung der bereits erbrachten Studienleistungen in einem anderen Fach ist eine Äquivalenzbescheinigung durch das Landesprüfungsamt des jeweiligen Fachvertreters einer deutschen medizinischen Fakultät. Dabei ist zu beachten, dass vor der Zulassung zum Medizinstudium noch kein Rechtsanspruch auf Erteilung einer Äquivalenzbescheinigung besteht.

Wenn du mehr darüber wissen möchtest, lies unseren Beitrag „Quereinstieg ins Medizinstudium: Auf Umwegen ans Ziel“.

Studieren an einer privaten Universität/Hochschule

Der große Vorteil bei der Bewerbung an privaten Universitäten/Hochschulen ist, dass häufig keine hohe Abiturdurchschnittsnote vorausgesetzt wird und du ohne NC studieren kannst. Allerdings sind diese Universitäten/Hochschulen meist sehr kostspielig. In Deutschland gibt es derzeit sechs private Universitäten/Hochschulen, die ein Medizinstudium anbieten:

  1. Kassel School of Medicine
  2. Asklepios Campus Hamburg/Universität Ungarn
  3. Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg (PMU)
  4. Universität Witten/Herdecke
  5. Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB)
  6. Universitätsmedizin Neumarkt A.M. Campus Hamburg

Auch wenn der Abiturschnitt nicht so stark bei der Bewerbung an einer privaten Universität/Hochschule zählt, so erwarten dich andere Auswahlverfahren:

Im Ausland studieren

Auch die Studienplätze im Ausland werden bei deutschen Studenten/innen immer beliebter. Allerdings ist das Auswahlverfahren nicht unbedingt leichter als in Deutschland.

Die ausländischen Universitäten legen besonderen Wert auf medizinische Vorbildung und außergewöhnliches Engagement. Meist kann man hier ohne NC studieren. Aufgrund der hohen Bewerberzahlen reicht es aber auch an ausländischen Universitäten/Hochschulen schon lange nicht mehr aus, nur das Krankenpflegepraktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert zu haben. Als positiv werden folgende Erfahrungen bewertet: eine medizinische Ausbildung (z. B. Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsdienst, Physiotherapie), das Belegen der naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer bis zum Abitur, Praktika in Arztpraxen oder Auslandsaufenthalte mit medizinischen Erfahrungen. Kann der/die Bewerber/in zusätzlich mit einem aussagekräftigen Motivationsschreiben glänzen, so ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Studienplatz sehr hoch.

Nachdem die nötigen Praktika-Nachweise und ein aussagekräftiges Motivationsschreiben eingereicht wurden, beginnt meist das hochschul- bzw. universitätseigene Auswahlverfahren. Dabei wird häufig mithilfe von naturwissenschaftlichen oder standardisierten Tests die Reaktionsfähigkeit, der Umgang mit Stress oder die Kognition des/der Bewerbers/in geprüft. Oft sind auch Interaktionsszenarien und Gruppengesprächen zu erwarten.

Auch wenn es in einigen Ländern möglich ist, auf Deutsch zu studieren (wie z.B. Semmelweis Universität Budapest, Universität Szeged, Universität Pecs, Medizinische Universität Wien, Medizinische Universität Innsbruck, Medizinische Universität Graz und andere), so bieten die meisten ausländischen Universitäten/Hochschulen ein international ausgerichtetes, englischsprachiges Studium an. Viele reagieren auf die Möglichkeit, auf Englisch zu studieren, eher skeptisch. Doch ein fremdsprachiges Studium bringt viele Vorteile und Chance mit sich. Einige Universitäten bieten sogar das Medizinstudium auf Französisch (z.B. Universität für Medizin und Pharmazie Iasi, Medizinische Universität Cluj-Napoca, Westuniversität Vasile-Goldiș Arad).

Für Studienabschlüsse in den Ländern der Europäischen Union und der Schweiz gilt das Verfahren der automatischen Anerkennung. Das heißt, dass die Studenten/innen die deutsche Approbation erhalten, ohne dass eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung durchgeführt werden muss. Die Abschlüsse aus Nicht-EU-Staaten (Universität Odessa, Universität Kiew und andere) werden vor ihrer Anerkennung geprüft. Dabei muss nachgewiesen werden, dass der im Ausland erworbene Abschluss der Medizin gleichwertig mit dem deutschen Abschluss ist. Falls bedeutsame Unterschiede zwischen dem ausländischen und dem deutschen Abschluss bestehen, muss ein Äquivalenztests absolviert werden.

Die Entscheidung, ein Studium im Ausland zu beginnen oder nicht, ist keine Einfache. Um dich noch besser bei deiner Wahl unterstützen zu können, arbeiten wir momentan an einem eigenen Vergleichsportal. Dabei kannst du Universitäten/Hochschulen mithilfe unterschiedlichster Kriterien (z. B. Land, Unterrichtssprache, Studiengebühren und Bewerbungsvoraussetzungen) filtern und dir eine personalisierte Liste deiner Wunsch-Universitäten/-Hochschulen im Ausland erstellen.

Medizinstudium bei der Bundeswehr

Von insgesamt 10.000 Medizinstudienplätzen in Deutschland erhält die Bundeswehr ungefähr 250 Plätze zur eigenen Vergabe. Diese werden dann auf die staatlichen deutschen Universitäten/Hochschulen verteilt. Warum aber eine Bewerbung auf gerade diese Plätze so attraktiv ist? Der Abiturdurchschnitt! Dieser ist bei dem Auswahlverfahren der Bundeswehr nicht so bedeutend, sodass du quasi ohne NC studieren kannst. Eine Zulassung zum Medizinstudium ist nämlich bei brillantem Bestehen der weiteren Testverfahren sogar mit einem Abiturdurchschnitt von bis zu 2,5 möglich.

Das Auswahlverfahren bei der Bundeswehr erfolgt in Köln über die Offizierbewerberprüfzentrale (OPZ). Hier müssen Bewerber/innen eine 3-tägige Prüfung absolvieren. Dabei erwarten sie folgende Tests:

  • ärztliche Untersuchung
  • Bundeswehr Sporttest für Offiziere  (11 x 10m Sprint, Klimmhang und Ausdauer)
  • Computer-Studieneignungstest (Logik, Mathematik, Rhetorik, Technik, Konzentration, usw.)
  • Gruppensituationsverfahren (Disskussion und Kurzvortrag)
  • Eignungsgespräch mit einem Psychologen und einem Offizier

Im Einzelgespräch prüft die Bundeswehr besonders, ob der/die Bewerber/in das Studium aus eigener Überzeugung antritt und nicht, weil es mit der Abiturdurchschnittsnote nicht für einen „normalen“ Studienplatz gereicht hat.

Die Gesamtpunktzahl des 3-tätigen Auswahlverfahrens entscheidet darüber, ob der/die Bewerber/in eine Zulassung für das Medizinstudium erhält oder nicht. Dabei empfiehlt die Bundeswehr vorher ein spezielles Training zu absolvieren, um optimal auf das Auswahlverfahren vorbereitet zu sein.

Auch ohne Abitur wäre ein Medizinstudium möglich. Wenn du wissen möchtest wie, lies dir unseren Artikel „Ohne Abitur Medizin studieren: Ist das möglich?“ durch.