Alternativen

Medizinstudium im Ausland: Wenn du in Deutschland keine Chance hast

Justin
28.05.2021
5 Min

Unabhängig von der Abiturdurchschnittsnote Medizin studieren: Was in Deutschland fast unvorstellbar ist, bieten viele Länder schon seit einiger Zeit an. Das Medizinstudium im Ausland ist für viele angehende Medizinstudierende eine sehr attraktive Möglichkeit, ihrem Traumberuf ein Stück näher zu kommen. Für einige Bewerber/innen kann das Studium im Ausland sogar zu einer Art Rettung oder Notlösung werden, wenn sie in Deutschland keinen Studienplatz erhalten.

Voraussetzungen für ein Medizinstudium im Ausland

Die ausländischen Universitäten legen besonderen Wert auf medizinische Vorbildung und außergewöhnliches Engagement. Aufgrund der hohen Bewerberzahlen reicht es auch an ausländischen Universitäten schon lange nicht mehr aus, nur das Krankenpflegepraktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert zu haben. Als positiv werden folgende Erfahrungen bewertet: eine medizinische Ausbildung (z. B. Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsdienst, Physiotherapie), das Belegen der naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer bis zum Abitur, Praktika in Arztpraxen oder Auslandsaufenthalte mit medizinischen Erfahrungen. Kann der/die Bewerber/in zusätzlich mit einem aussagekräftigen Motivationsschreiben glänzen, so ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Studienplatz sehr hoch.

Podcast zum Artikel

Unser Autorenteam hat zu dem Thema einen Podcast veröffentlicht und klärt in der Episode viele Fragen zum Thema, wo und wie du im Ausland Medizin studieren kannst.

Das Auswahlverfahren im Ausland

Beim Auswahlverfahren im Ausland wird häufig mithilfe von naturwissenschaftlichen oder standardisierten Tests die Reaktionsfähigkeit, der Umgang mit Stress oder die Kognition des/der Bewerbers/in geprüft. In Anwesenheit einer Prüfungskommission oder in Gruppengesprächen soll dann zusätzlich erläutert werden, warum der/die Bewerber/in glaubt, für das Medizinstudium an genau dieser Universität/Hochschule geeignet zu sein.

An einigen Universitäten/Hochschulen im Ausland wird das OSCE-Verfahren (Objective Structured Clinical Evaluation) angewandt, um die/den am besten geeigneten Studienbewerber/in auszuwählen. An unterschiedlichen Prüfungsstationen sollen die angehenden Mediziner/innen in kurzen Interview- oder Interaktionsszenarien zeigen, wie gut sie sich z. B. in einem Arzt-Patienten-Gespräch verhalten. Diese Prüfungsaufgaben werden unter standardisierten Bedingungen durchgeführt und anhand bestimmter Messpunkte bewertet. Hier geht es weniger um das fachliche Wissen, sondern vielmehr um Struktur, Empathie und den Umgang mit einer unbekannten, herausfordernden Situation.

Auf welcher Sprache studiere ich im Ausland?

Auch wenn es in einigen Ländern möglich ist, auf Deutsch zu studieren (unter anderen an der Universität Szeged, Universität Pecs, Universität Graz), so bieten die meisten ausländischen Universitäten/Hochschulen ein international ausgerichtetes, englischsprachiges Studium an. Viele reagieren auf die Möglichkeit, auf Englisch zu studieren, eher skeptisch. Doch ein fremdsprachiges Studium bringt viele Vorteile und Chance mit sich!

Viele englischsprachige Universitäten/Hochschulen (z.B. Universität Split, Universität Szeged, Medizinische Universität Lublin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg) bieten den Student/innen neben der Approbation auch die Gelegenheit das USMLE Zertifikat (also die ärztliche Berufserlaubnis für die USA und Kanada) zu bekommen. Damit stehen den Student/innen im Berufsleben viele Türen offen.

Was kostet das Medizinstudium im Ausland?

Ein Medizinstudium an einer deutschen Universität/Hochschule kostet dem Staat insgesamt ungefähr 200.000 Euro pro Student/in. Damit ist nachvollziehbar, warum nicht nur private deutsche, sondern auch ausländische Universitäten/Hochschulen Studiengebühren erheben müssen. Dies dient zur Finanzierung und dafür, ein vielfältiges Medizinstudium in guter bis sehr guter Qualität anbieten zu können.

Im europäischen Ausland betragen die Studiengebühren circa 5.000 – 8.000 Euro pro Semester. International sind sogar Beiträge bis zu 80.000 Euro pro Semester möglich. Eine große Summe, die nicht von Jeder/m bezahlt werden kann. Hier kann eine finanzielle Unterstützung durch einen Studienkredit, das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) oder die Bewerbung auf ein Stipendium helfen.

Stipendien im Ausland

Gerade das Medizinstudium stellt für viele junge Menschen und auch für deren Familien eine finanzielle Last dar. Stipendien können bei angespannten finanziellen Situationen helfen. Sie werden meist von Ländern und Gemeinden, aber auch von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen vergeben. Einige Voraussetzungen auf ein Stipendium können außergewöhnliche Begabungen, sehr gute schulische Leistungen, gesellschaftliches Engagement oder besondere medizinisch-wissenschaftliche Erfolge sein.

Die Stipendienvergabe beschränkt sich nicht nur auf das Inland, sondern kann auch im Ausland erfolgen. Der/die Stipendiat/in erhält dann über einen festgelegten Zeitraum einen Geldbetrag, den er für seinen Lebensunterhalt, die Kosten für Lehrmaterial und die Studiengebühren im Ausland verwenden kann.

Wer sich auf ein Stipendium bewerben will, sollte genau auf die Fristen achten und neben einer aussagekräftigen Bewerbung, auch im Auswahlgespräch überzeugen.

Studiengangwechsel nach Deutschland

Prinzipiell ist es möglich, von einer Universität/Hochschule im Ausland zu einer deutschen Universität/Hochschule zu wechseln. Dies wird allerdings von Jahr zu Jahr schwieriger. Nach Anerkennung des ausländischen Studiengangs durch das Landesprüfungsamt (LPA) kann der/die Student/in sich direkt an einer Universität/Hochschule in Deutschland bewerben, die das Medizinstudium im Regelstudiengang anbietet.

Einige ausländische Universitäten/Hochschulen bieten das Medizinstudium für deutsche Student/innen nur für die ersten zwei Jahre an. Danach wird ein Wechsel nach Deutschland vorgeschlagen. Leider können nur wenige freie Plätze im klinischen Abschnitt des Medizinstudiums in Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Außerdem steigen immer mehr deutsche Universitäten/Hochschulen auf den Modellstudiengang um. Das senkt die Erfolgschancen der Student/innen, einen Platz an einer Deutschen Universität/Hochschule zu erhalten.

Anerkennung des ausländischen Studiengangs

Für Studienabschlüsse in den Ländern der Europäischen Union (unter anderen Universität Bologna, Universität Zagreb, Universität Maastricht, Universität Targu Mures) und der Schweiz gilt das Verfahren der automatischen Anerkennung. Das heißt, dass die Student/innen die deutsche Approbation erhalten, ohne dass eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung durchgeführt werden muss.

Die Abschlüsse aus Nicht-EU-Staaten (z.B. Universität Odessa, Universität Kiew und andere) müssen vor ihrer Anerkennung geprüft werden. Dabei muss nachgewiesen werden, dass der im Ausland erworbene Abschluss der Medizin gleichwertig mit dem deutschen Abschluss ist. Falls bedeutsame Unterschiede zwischen dem ausländischen und dem deutschen Abschluss bestehen, muss ein Äquivalenztests absolviert werden.

Die Entscheidung, ein Studium im Ausland zu beginnen oder nicht, ist keinesfalls eine einfache. Um dich noch besser bei deiner Wahl unterstützen zu können, haben wir ein eigenes Vergleichsportal errichtet, mit dem du Universitäten/Hochschulen mithilfe unterschiedlichster Kriterien (z. B. Land, Unterrichtssprache, Studiengebühren und Bewerbungsvoraussetzungen) filtern und so deine Favoriten-Universität heraussuchen kannst.

Vorteile und Nachteile des Medizinstudiums in Ausland zusammengefasst:

VorteileNachteile
bei der Bewerbung wird viel Wert auf die Persönlichkeit und die medizinische Erfahrung gelegtaufwendiges Aufnahmeverfahren
Möglichkeit einer ärztlichen Berufserlaubnis für die USA und KanadaAbschlüsse aus Nicht-EU-Staaten müssen zuerst noch anerkannt werden
Wechsel nach Deutschland möglichStudium höchstwahrscheinlich auf einer Fremdsprache
spannendes Erlebnis hohe Studiengebühren

Wir hoffen, dass wir in diesem Beitrag alle deine Fragen zum Thema „Medizinstudium im Ausland“ beantworten konnten. Solltest du dich nun entscheiden, ins Ausland zu gehen und dort Medizin zu studieren, drücken wir dir die Daumen und wünschen dir alles Gute.

Podcast zum Thema Studium im Ausland

Unser Autorenteam hat für dich einen ausführlichen Podcast zum Thema „Medizinstudium im Ausland“ für dich aufgenommen und geht insbesondere noch einmal auf die Frage ein, wie schwer es wirklich ist, aus dem Ausland zurück nach Deutschland wechseln zu können. Zur Folge kommst du hier.

Justin

Justin ist gebürtiger Hamburger, 24 Jahre alt und studiert Medizin im fünften Jahr an der Uni Magdeburg. Neben seiner Autorentätigkeit bei medizinzinstudium.io führt er mit seinem Mitbewohner den erfolgreichen Podcast “Küchenmedizin”, in welchem die beiden über die Bewerbung für das Medizinstudium aufklären, tiefe Einblicke in das Studium geben und interessante Gäste wie z.B. Ärzt/innen aus verschiedenen Fachrichtungen oder Betroffene verschiedener Krankheitsbilder interviewen.