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Medizinstudium im Ausland: Wenn du in Deutschland keine Chance hast

Ohne Wartezeit und unabhängig von der Abiturdurchschnittsnote Medizin studieren: Was in Deutschland unvorstellbar ist, bieten viele Länder schon seit einiger Zeit an. Das Medizinstudium im Ausland ist für viele angehende Medizinstudenten eine sehr attraktive Möglichkeit, ihrem Traumberuf ein Stück näher zu kommen. Hier erfährst du alles zum Thema "Studieren im Ausland": Welche Voraussetzungen musst du erfüllen? Wie ist der Ablauf des Auswahlverfahrens im Ausland? Wie funktioniert ein Studiengangwechsel zurück nach Deutschland?

Bewerbung

Ohne Wartezeit und unabhängig von der Abiturdurchschnittsnote Medizin studieren: Was in Deutschland unvorstellbar ist, bieten viele Länder schon seit einiger Zeit an. Das Medizinstudium im Ausland ist für viele angehende Medizinstudenten eine sehr attraktive Möglichkeit, ihrem Traumberuf ein Stück näher zu kommen. Für einige Bewerber/innen kann das Studium im Ausland sogar zu einer Art Rettung oder Notlösung werden, wenn sie in Deutschland keinen Studienplatz erhalten.

Voraussetzungen für ein Medizinstudium im Ausland

Die ausländischen Universitäten legen besonderen Wert auf medizinische Vorbildung und außergewöhnliches Engagement. Aufgrund der hohen Bewerberzahlen reicht es auch an ausländischen Universitäten schon lange nicht mehr aus, nur das Krankenpflegepraktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) absolviert zu haben. Als positiv werden folgende Erfahrungen bewertet: eine medizinische Ausbildung (z. B. Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungsdienst, Physiotherapie), das Belegen der naturwissenschaftlichen Unterrichtsfächer bis zum Abitur, Praktika in Arztpraxen oder Auslandsaufenthalte mit medizinischen Erfahrungen. Kann der/die Bewerber/in zusätzlich mit einem aussagekräftigen Motivationsschreiben glänzen, so ist die Wahrscheinlichkeit auf einen Studienplatz sehr hoch.

Podcast zum Artikel

Unser Autorenteam hat zu dem Thema einen Podcast veröffentlicht und klärt in der Episode viele Fragen zum Thema, wo und wie du im Ausland Medizin studieren kannst.

Das Auswahlverfahren im Ausland

Beim Auswahlverfahren im Ausland wird häufig mithilfe von naturwissenschaftlichen oder standardisierten Tests die Reaktionsfähigkeit, der Umgang mit Stress oder die Kognition des/der Bewerbers/in geprüft. In Anwesenheit einer Prüfungskommission oder in Gruppengesprächen soll dann zusätzlich erläutert werden, warum der/die Bewerber/in glaubt, für das Medizinstudium an genau dieser Universität/Hochschule geeignet zu sein.

An einigen Universitäten/Hochschulen im Ausland wird das OSCE-Verfahren (Objective Structured Clinical Evaluation) angewandt, um den am besten geeigneten Studienbewerber auszuwählen. An unterschiedlichen Prüfungsstationen sollen die angehenden Mediziner/innen in kurzen Interview- oder Interaktionsszenarien zeigen, wie gut sie sich z. B. in einem Arzt-Patienten-Gespräch verhalten. Diese Prüfungsaufgaben werden unter standardisierten Bedingungen durchgeführt und anhand bestimmter Messpunkte bewertet. Hier geht es weniger um das fachliche Wissen, sondern vielmehr um Struktur, Empathie und den Umgang mit einer unbekannten, herausfordernden Situation.

Auf welcher Sprache studiere Ich im Ausland?

Auch wenn es in einigen Ländern möglich ist, auf Deutsch zu studieren (unter anderen an der Universität Szeged, Universität Pecs, Universität Graz), so bieten die meisten ausländischen Universitäten/Hochschulen ein international ausgerichtetes, englischsprachiges Studium an. Viele reagieren auf die Möglichkeit, auf Englisch zu studieren, eher skeptisch. Doch ein fremdsprachiges Studium bringt viele Vorteile und Chance mit sich.

Viele englischsprachige Universitäten/Hochschulen (z.B. Universität Split, Universität Szeged, Medizinische Universität Lublin, Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg) bieten den Studenten/innen neben der Approbation auch die Gelegenheit das USMLE Zertifikat (also die ärztliche Berufserlaubnis für die USA und Kanada) zu bekommen. Damit stehen den Studenten/innen im Berufsleben viele Türen offen.

Was kostet das Medizinstudium im Ausland?

Ein Medizinstudium an einer deutschen Universität/Hochschule kostet dem Staat insgesamt ungefähr 200.000 Euro pro Student/in. Damit ist nachvollziehbar, warum nicht nur private deutsche, sondern auch ausländische Universitäten/Hochschulen Studiengebühren erheben müssen. Dies dient zur Finanzierung und, um ein vielfältiges Medizinstudium in guter bis sehr guter Qualität anbieten zu können.

Im europäischen Ausland betragen die Studiengebühren circa 5.000 – 8.000 Euro pro Semester. International sind sogar Beiträge bis zu 80.000 Euro pro Semester möglich. Eine große Summe, die nicht von jedem bezahlt werden kann. Hier kann eine finanzielle Unterstützung durch einen Studienkredit, das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) oder die Bewerbung auf ein Stipendium helfen.

Stipendien im Ausland

Gerade das Medizinstudium stellt für viele junge Menschen und auch für deren Familien eine finanzielle Last dar. Stipendien können bei angespannten finanziellen Situationen helfen. Sie werden meist von Ländern und Gemeinden, aber auch von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen vergeben. Einige Voraussetzungen auf ein Stipendium können außergewöhnliche Begabungen, sehr gute schulische Leistungen, gesellschaftliches Engagement oder besondere medizinisch-wissenschaftliche Erfolge sein.

Die Stipendienvergabe beschränkt sich nicht nur auf das Inland, sondern kann auch im Ausland erfolgen. Der/die Stipendiat/in erhält dann über einen festgelegten Zeitraum einen Geldbetrag, den er für seinen Lebensunterhalt, die Kosten für Lehrmaterial und die Studiengebühren im Ausland verwenden kann.

Wer sich auf ein Stipendium bewerben will, der sollte genau auf die Fristen achten und neben einer aussagekräftigen Bewerbung, auch im Auswahlgespräch überzeugen.

In Deutschland warten – im Ausland studieren

Aufgrund des extrem hohen Wettbewerbes um die Medizinstudienplätze in Deutschland versuchen viele Bewerber/innen unterdessen, ihrem Studienwunsch im Ausland nachzugehen. Ein auf den ersten Blick teuer erscheinendes Studium im Ausland kann ökonomisch deutlich günstiger sein, als eine lange Wartezeit in Deutschland. Die Bewerber/innen sollten sich deshalb gut überlegen, ob das Warten auf einen Studienplatz in Deutschland wirklich sinnvoll ist.

Aktuell beträgt die Wartezeit bei einem Notendurchschnitt von 2,3 circa 13 bis 14 Wartesemester. Das entspricht einem Zeitraum, der länger ist, als ein komplettes Medizinstudium im Regelstudiengang dauert. Nicht zu vergessen, ist auch die Tatsache, dass ab dem Jahr 2020 die Wartezeitquote durch die sogennaten Talentquote ersetzt werden soll.

Natürlich ist die Entscheidung im Ausland zu studieren immer auch von den individuellen Wünschen und Lebenssituationen abhängig. Betrachtet man dies aber aus rein finanzieller Sicht, so schneidet das Medizinstudium am Ausland ganz klar schlechter ab, als die Wartezeit in Deutschland auf einen Studienplatz. Hier haben wir für dich ein kleines Fallbeispiel entwickelt:

Stell dir vor, du beginnst eine dreijährige Ausbildung im Gesundheitswesen und arbeitest dann im Anschluss vier Jahre bis du die 14 Semester Wartezeit erreicht hast. In diesem Zeitraum wirst Du ungefähr 132.000 Euro (brutto) verdient haben (36 Monate x 1000 Euro Ausbildungsgehalt + 48 Monate x 2.000 Euro Gehalt als Vollzeitkraft). Als Assistenzarzt/-ärztin beträgt das Einstiegsgehalt heutzutage ca. 45.000 Euro (brutto) pro Jahr. Umgerechnet bekommst du innerhalb von sieben Jahren also ein Bruttoeinkommen von 315.000 Euro. Die Differenz liegt somit bei 186.600 Euro. Dieses Geld geht dir durch die Wartezeit auf einen Studienplatz in Deutschland einfach verloren.

Aus rein finanzieller Sicht ist es also am günstigsten, so schnell wie möglich mit dem Studium anzufangen.

Studiengangwechsel nach Deutschland

Prinzipiell ist es möglich, von einer Universität/Hochschule im Ausland zu einer deutschen Universität/Hochschule zu wechseln. Dies wird allerdings von Jahr zu Jahr schwieriger. Nach Anerkennung des ausländischen Studiengangs durch das Landesprüfungsamt (LPA) kann der/die Student/in sich direkt an einer Universität/Hochschule in Deutschland bewerben, die das Medizinstudium im Regelstudiengang anbietet.

Einige ausländische Universitäten/Hochschulen bieten das Medizinstudium für deutsche Studenten/innen nur für die ersten zwei Jahre an. Danach wird ein Wechsel nach Deutschland vorgeschlagen. Leider können nur wenige freie Plätze im klinischen Abschnitt des Medizinstudiums in Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Außerdem steigen immer mehr deutsche Universitäten/Hochschulen auf den Modellstudiengang um. Das senkt die Erfolgschancen der Studenten/innen, einen Platz an einer Deutschen Universität/Hochschule zu erhalten.

Anerkennung des ausländischen Studiengangs

Für Studienabschlüsse in den Ländern der Europäischen Union (unter anderen Universität Bologna, Universität Zagreb, Universität Maastricht, Universität Targu Mures) und der Schweiz gilt das Verfahren der automatischen Anerkennung. Das heißt, dass die Studenten/innen die deutsche Approbation erhalten, ohne dass eine individuelle Gleichwertigkeitsprüfung durchgeführt werden muss.

Die Abschlüsse aus Nicht-EU-Staaten werden (z.B. Universität Odessa, Universität Kiew und andere) vor ihrer Anerkennung geprüft. Dabei muss nachgewiesen werden, dass der im Ausland erworbene Abschluss der Medizin gleichwertig mit dem deutschen Abschluss ist. Falls bedeutsame Unterschiede zwischen dem ausländischen und dem deutschen Abschluss bestehen, muss ein Äquivalenztests absolviert werden.

Die Entscheidung, ein Studium im Ausland zu beginnen oder nicht, ist keine Einfache. Um dich noch besser bei deiner Wahl unterstützen zu können, arbeiten wir momentan an einem eigenen Vergleichsportal. Dabei kannst du Universitäten/Hochschulen mithilfe unterschiedlichster Kriterien (z. B. Land, Unterrichtssprache, Studiengebühren und Bewerbungsvoraussetzungen) filtern und dir eine personalisierte Liste deiner Wunsch-Universitäten/-Hochschulen im Ausland erstellen.

Vorteile und Nachteile des Medizinstudiums in Ausland zusammengefasst:

VorteileNachteile
bei der Bewerbung wird viel Wert auf die Persönlichkeit und die medizinische Erfahrung gelegtaufwendiges Aufnahmeverfahren
Möglichkeit einer ärztlichen Berufserlaubnis für die USA und KanadaAbschlüsse aus Nicht-EU-Staaten müssen zuerst noch anerkannt werden
Wechsel nach Deutschland möglichStudium höchstwahrscheinlich auf einer Fremdsprache
spannendes Erlebnis hohe Studiengebühren

Wir hoffen, dass wir in diesem Beitrag alle deine Fragen zum Thema „Medizinstudium im Ausland“ beantworten konnten. Solltest du dich nun entscheiden, ins Ausland zu gehen und dort Medizin zu studieren, drücken wir dir die Daumen und wünschen dir alles Gute.