24 Minuten

TMS 2021 – bereite dich vor wie der 99%-Absolvent (Guide)

Der TMS nimmt im neuen Bewerbungsverfahren eine zentrale Rolle ein. Da er nur einmalig absolviert werden kann, ist eine gut durchdachte Vorbereitung essentiell. Im folgenden Interview erfährst du detailliert und Schritt für Schritt, wie sich Daniel, ein Absolvent aus dem Jahr 2020, auf den TMS vorbereitet und anschließend einen Prozentrang von 99% erreicht hat.

Allgemein

Der TMS: Allgemeines

Der TMS (Test für medizinische Studiengänge) bietet dir auch in diesem Jahr eine Möglichkeit, deine Abiturdurchschnittsnote zu verbessern und deine Chancen auf einen Platz im Medizinstudium zu erhöhen. Lucas und Justin vom Podcast „Küchenmedizin“ hatten einen TMS-Absolventen zu Gast, der den Test in 2020 mit einem starken Prozentrang von 99% bestand. Wie Daniel es schaffte, sich bestmöglich auf den TMS vorzubereiten und dieses Ergebnis zu erreichen, erfährst du hier!

Möchtest du mehr über den allgemeinen Ablauf und Aufbau des TMS erfahren, lies dir gerne den großen Medizinertestvergleich durch oder höre dir die Podcastfolge unseres Autorenteams zum Thema TMS an.

Interview mit einem 99%-Absolventen des TMS 2020

Wie Daniel ins Medizinstudium kam

Frage: Hallo Daniel. Erzähl doch mal wer du bist: Was ist dein Hintergrund? Wie kam es dazu, dass du den TMS geschrieben hast?

Daniel: Hallo erstmal. Ich bin Daniel und hab dieses Wintersemester [2020/21] mit dem Medizinstudium angefangen. Es hat nach sechs Jahren dann auch mal endlich geklappt. Ich bin einer dieser Spätstarter (lacht).

Frage: Was hast du vorher gemacht?

Daniel: Ich habe zunächst ein FSJ beim Rettungsdienst gemacht. Danach war ich ein bisschen im Ausland unterwegs und habe dann eine Physiotherapeutenausbildung gemacht. Ich arbeitete dann auch 1,5 Jahre als Physiotherapeut und in der Zeit bereitete ich mich nebenbei auf den TMS vor, als ich festgestellt habe, dass es mittlerweile ohne TMS schwierig wird, ins Medizinstudium reinzukommen. Die Vorbereitung lohnt sich, denn man kann ihn nur einmal schreiben. Mittlerweile ist der TMS echt verdammt wichtig für jeden, der keinen Abiturdurchschnitt von 1,0 aufweisen kann.

Frage: Was hattest du für einen Abiturdurchschnitt und wie bist du ins Studium gekommen?

Daniel: Ich hatte einen Schnitt von 1,6, was erstmal kein schlechtes Abitur ist. Von dem Gedanken, dass das für das Medizinstudium reicht, muss man sich jedoch trotzdem schnell verabschieden. Das neue TMS-Verfahren hat einen großen Vorteil: Der Test wird jetzt nicht mehr nur ab einem bestimmtem Prozentsatz anerkannt, sondern, solange du nicht der Schlechteste in deinem Jahrgang bist, bekommt jeder Teilnehmer Punkte angerechnet. Bei mir hätte es wahrscheinlich in Deutschland auch mit einem Ergebnis von 75% im TMS für einen Platz gereicht, sodass ich etwas entspannter herangehen konnte.

Vorbereitung auf den TMS: Lernplan und Lernpensum

Frage: Wie lange hast du dich auf den TMS vorbereitet? Dir war ja bewusst, dass der Test auch nach dem neuen Verfahren für dich DIE Möglichkeit ist, ins Studium zu kommen.

Daniel: Ich wollte natürlich auch nach der ganzen Zeit, die ich bis zum Test gewartet habe, an meine Wunschuniversität. Damit ich da ganz sicher auswählen kann, wollte ich auch einen möglichst guten TMS schreiben, was glücklicherweise auch geklappt hat. Ursprünglich hatte ich für die Vorbereitung zwei Monate eingeplant, aber da der TMS coronabedingt nach hinten verschoben wurde, habe ich nochmal zwei Monate mehr Zeit bekommen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es diese zwei Monate wirklich herausgerissen haben. Insgesamt hatte ich also vier Monate Vorbereitungszeit und die sind auch wirklich notwendig gewesen. Im März habe ich mir extra Urlaub genommen, um mit dem Lernen zu beginnen. Im Endeffekt habe ich aber gemerkt, dass das, was ich im Juni/Juli gemacht habe, mir am meisten gebracht hat. [Info: Der TMS 2020 wurde am 01. August geschrieben].

Frage: Wie sah dein Lernplan aus? Was war dein Tagespensum? Häufig wird geraten, eine Woche vor dem Test mit dem Lernen aufzuhören, um dem Gehirn etwas Pause zu gönnen. Wie sah das bei dir aus?

Daniel: Letzteres würde ich auch jedem so empfehlen: Die Woche vor dem TMS fast nichts mehr zu lernen. Meine Vorbereitung startete mit einer „Light-Phase“, die etwa zwei bis zweieinhalb Monate dauerte. Zu dieser Zeit lernte ich in etwa zwei bis drei Stunden am Tag. Der letzte Monat bzw. die letzten anderthalb Monate vor dem Test bestanden bei mir aus der „Power-Phase“. In dieser Zeit habe ich etwa fünf bis sechs Stunden täglich gelernt. Es gab auch mal Tage, an denen es acht Stunden waren oder an einem Tag wurde mal gar nicht gelernt, aber im Großen und Ganzen teilte sich mein Lernplan in diese zwei Phasen.

Frage: Hast du sieben Tage die Woche gelernt oder hast du die Wochenenden frei gehalten?

Daniel: Es waren eher fünf Tage die Woche, an denen ich gelernt habe. Die anderen beiden Tage habe ich gearbeitet, aber da könnte man sich auch ein Wochenende frei machen. Man muss den Kopf zwischendurch auch mal frei bekommen.

Vorbereitung auf den TMS: Materialien und Simulationen

Frage: Wie hast du für die jeweiligen Untertests gelernt? Das ist beim TMS auch immer die Frage: Ob man sich überhaupt darauf vorbereiten kann, da allgemeine skills abgefragt werden.

Daniel: Man kann sich absolut vorbereiten und hat damit direkt einen riesigen Vorteil denen gegenüber, die sich nicht vorbereiten. Durch das Training hat man schon gute Chancen, da man immer mit den anderen TestteilnehmerInnen verglichen wird. Ich persönlich habe mich in einer Facebookgruppe mit anderen ausgetauscht und geschaut, wie die gelernt haben. Da es nur eine begrenzte Anzahl an Materialien gibt, würde es keinen Sinn machen, schon ein Jahr vor dem Test mit der Vorbereitung anzufangen. Es ist eher ein Training als wirkliches Lernen: Du willst so trainieren, dass du am Testtag am Fittesten bist. Dazu habe ich mir dann verschiedene Materialien angeschafft.

Frage: Was würdest du uns empfehlen, wenn Lucas und ich den TMS noch nicht geschrieben hätten und darüber ins Studium kommen wollen. Wie und womit sollten wir uns am besten vorbereiten?

Daniel: Ich habe unterschiedlich Materialien genutzt, die mich über die vier Monate gut haben arbeiten lassen. Für mehr Vorbereitungszeit hätte es aber nicht gereicht, da ich Materialien hätte wiederverwenden müssen. Das bringt dann keinen Lernfortschritt mehr.

Für die „Light-Phase“ fand ich die MedGurus-Box sehr hilfreich. Diese Phase solltet ihr nutzen, um euch mit den Tests vertraut zu machen und zu schauen, wie ihr an die einzelnen Untertests wie z.B. Mathe oder Schlauchfiguren rangehen könnt. Da haben die MedGurus wirklich eine sehr gute Einleitung, welche einem die Basics an die Hand gibt. Für die „Powerphase“ verwendete ich dann die Smartmedix-Box, die ich für diesen Teil der Vorbereitung besser fand. Beide Boxen ergänzten sich sehr gut, weil viele Aspekte nochmal anders erklärt wurden. Das ist in soweit hilfreich, dass der TMS auch jedes Jahr anders ist und ihr somit mehr Varietät in den Übungen habt. Zum Teil sind die Aufgaben von Smartmedix etwas schwieriger, sodass es mir viel gebracht hat, diese Box in der „Power-Phase“ zu verwenden.

Ganz wichtig, fast das wichtigste von allem, ist dann noch die Simulation. Das könnt ihr alleine oder mit Freunden üben, die ebenfalls den TMS schreiben wollen. Da gibt es z.B. den ITB-3, den ihr als leichten Einsteiger für eine Simulation des TMS verwenden könnt. Die MedGurus-Simulation ist eher mittelschwer und daher würde ich sie eher in der „Power-Phase“ verwenden. Damit könnt ihr euren Lernfortschritt ganz gut einschätzen. Der Stark-Verlag hat ebenfalls ein Heft mit zwei Simulationen herausgebracht. Das sind meiner Meinung nach die schwersten Simulationen, zum Teil sogar schwerer als der TMS selbst. Hier hat es mir sehr gut getan, die Starksimulationen vorher zu machen, um ein Zeitgefühl und einen Rhythmus für den TMS zu bekommen. Jede Simulation und jede Box hat ihre Stärken und Schwächen, aber ich fand die Kombination aus allen für mich sehr wertvoll und mehr hätte ich nicht gebraucht.

Frage: Hast du dir ein Protokoll geschrieben? Hat sich eine Tendenz erkennen lassen?

Daniel: Den Lernfortschritt sieht man am besten in den Simulationen. Wenn du 2-3 Wochen später eine neue machst und sie dir leichter fällt, weißt du, dass du schon wieder etwas gelernt hast. Ich habe mir eine Art Kalender geschrieben und die Tests nummeriert, um meinen Fortschritt zu protokollieren. Muster zuordnen zum Beispiel war Test 1 und am 02. Juni habe ich 18 von 24 Zuordnungen richtig gelöst. Am 12. Juni waren es dann schon 19 von 24 und so weiter. Natürlich ist es nicht ganz einfach, den Fortschritt festzustellen, da jeder Test eine unterschiedliche Schwierigkeit hat.

Frage: Wie hast du die Simulationen in der „Powerphase“ getaktet?

Die Simulationen habe ich  immer samstags gemacht und dann den Sonntag verwendet, um sie nachzuarbeiten. Wo waren meine Schwächen und was kann ich beim nächsten Mal verbessern? Dabei muss man ganz ehrlich mit sich sein: Wo sind Fehler, die vermieden werden können und welche mache ich immer wieder? Wenn mir Fehler in einem bestimmten Bereich aufgefallen sind, habe ich in der nächsten Woche dann eine Extraeinheit in diesem Bereich an die Simulation drangehängt, um die Fehler auszumerzen. Eine ganze Simulation dauert ihre sechs Stunden, wobei man sie realistisch machen muss und sich genau an Zeiten halten sollte. Sonst kannst du für dein eigenes Zeitmanagement nicht so viel lernen.

Die „Light-Phase“ finde ich dabei sehr wichtig, um herauszufinden, wie man selbst an etwas herangeht. Male ich Texte im Untertest Textverständnis zum Beispiel lieber komplett aus oder kann ich besser arbeiten, wenn ich nur eine Markerfarbe benutzte?

Frage: Das heißt, du hat 7-8 Testsimulationen durchgearbeitet?

Ich habe alle die gemacht, die ich zur Verfügung hatte und habe geschaut, dass ich am Samstag vor dem Test fertig werde. Ich hab mit ITB-3 angefangen, was die leichteste Simulation ist, danach kamen die MedGurus und dann die zwei Simulationen des Stark-Verlags. Eine habe ich mir noch selbst zusammengestellt aus jeweils dem letzten Kapitel der MedGurus-Box, da diese auch auf Testniveau waren. Im Endeffekt hatte ich also fünf selbstgemachte Simulationen neben den aus den Vorbereitungsmaterialien.

Vorbereitung auf den TMS: Parallel zum Abitur?

Frage: Was hältst du davon, sich parallel zum Abitur auf den TMS vorzubereiten? Oder wäre es das beste, sich für die Vorbereitung wirklich Zeit zu nehmen?

Daniel: Wenn ich an mein nicht mal 18-jähriges Ich zurückdenke, war ich schon gut damit beschäftigt, mich überhaupt aufs Abitur vorzubereiten. Ich persönlich würde es später machen, mir die Zeit nehmen und mich auf den TMS alleine konzentrieren. Ich habe mir damals ja sogar Urlaub genommen. Es gibt natürlich auch Leute, die schneller lernen als ich, aber ich habe mir dann auch wirklich sehr viel Zeit genommen. Wenn es absehbar ist, dass das Abi auf einen Schnitt von 1,6 bis 1,8 hinausläuft, würde ich ein Jahr warten. Mein Vorschlag wäre, die drei Monate Pflegepraktikum nach dem Abitur direkt abzuarbeiten, damit man es während des Studiums dann etwas entspannter angehen kann. Dann kann man sogar noch ein bisschen Reisen, wenn man Lust darauf hat (natürlich nur, wenn es wieder möglich ist). Im Januar wäre man dann pünktlich wieder da, um in Ruhe mit der Vorbereitung anzufangen. Wenn ich nochmal zurückgehen könnte, würde ich es denke ich genau so machen.

Lucas & Justin: Man muss auch bedenken, dass man den TMS nur einmal schreiben kann. Wenn man objektiv darüber nachdenkt, bietet es auch finanzielle Vorteile, lieber ein Jahr zu warten und dann den Platz über den TMS zu bekommen. Wenn man an Assistenzarzt/-ärztinnengehälter denkt, rentiert sich das mehr. Gleichzeitig sind solche Boxen [zur Vorbereitung] leider auch nicht so ganz günstig. Die, die sagen, dass sie den TMS unbedingt schreiben und daher ein Jahr warten wollen, können in der Zwischenzeit jobben gehen, um sich dann die Materialien zu besorgen.

Vorbereitung auf den TMS: „Light-Phase“ , „Power-Phase“ und Lerngruppen

Frage: Wie sah deine weitere Vorbereitung aus?

Daniel: Ich habe es so gemacht, dass ich in der „Light-Phase“ quer durcheinander gelernt habe, um mir erstmal Strategien vor Augen zu führen. Ich würde vorschlagen, dass man, wenn es in „Power-Phase“ geht, das Lernen nach Abschnitten aufteilt, so wie es später im echten Test auch sein wird. Dort gibt es ja eine spezielle Reihenfolge der Aufgaben, die ich beim Lernen dann auch zusammengepackt habe. Ich habe beispielsweise am Montag Muster, Med-Nat [medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständis] und Schlauchfiguren geübt, am Dienstag dann Schlauchfiguren, Mathe und konzentriertes Arbeiten und so weiter. So könnt ihr euch immer einen Vormittagsteil und einen Nachmittagsteil ausarbeiten und den über die Woche durcharbeiten, um immer mehr in den TMS-Rhythmus zu kommen. Den Rhythmus zu haben, im Training zu bleiben und zu wissen, wie muss ich rangehen, ist am wichtigsten für den TMS.

Was Gruppen angeht, kann ich nur raten, euch mit Leuten zu connecten und zu schauen, wie machen andere das. Was mir besonders geholfen hat, waren Facebook-Gruppen. Da habe ich sehr viel draus mitgenommen. Es wird da natürlich auch sehr viel Panik gemacht, aber davon darf man sich nicht anstecken lassen. Instagram habe ich persönlich für die TMS-Vorbereitung nicht genutzt, aber da gibt es Accounts wie „planvoll“, die dem ein oder anderen helfen können. Wenn man sich ganz spezielle Tipps für den TMS holen will, helfen Youtubevideos auch ganz gut.

Was ich auch noch sehr wichtig fand: Ich habe eine sehr gute Freundin über die Facebookgruppe als Lernpartnerin kennengelernt. Sie hat mir in der „Power-Phase“ ganz besonders viel Motivation gegeben, weil wir uns zusammen drangesetzt heben und dann auch wirklich an extremen Tagen 6 bis 8 Stunden zusammen über Skype durchgezogen haben. Ich kann nur empfehlen, dass man sich mit anderen Leuten zusammentut. Nicht in der „Light-Phase“, in der man sich selber noch finden muss, aber gegen Ende der Vorbereitung, wenn man auch die Simulationen macht und nacharbeitet, hilft es, Tipps und Routinen austauschen.

Ein weiterer Tipp: Lernt keine Fakten sondern Strategien! Im Endeffekt ist es ein Training, in dem ihr lernt, wie man an Sachen herangeht, welche Strategie man für welchen Untertest hat und das gilt es dann immer wieder zu wiederholen, um eine Routine zu erschaffen. Es bringt nichts, wenn man sich nur medizinische Fachbücher durchliest, um den Med-Nat-Teil zu bestehen. Ich würde auch empfehlen, von Anfang an einen Timer dazuhaben, damit man einen Überblick behält. Trainiert von Anfang an gegen die Zeit. Ganz am Anfang nimmt man sich natürlich noch mehr Zeit, aber ich habe schon nach einem Monat angefangen, gegen die tatsächliche Testzeit zu arbeiten und das würde ich jedem empfehlen.

Frage: In der „Light-Phase“ hast du dann wirklich nur geschaut, wie Tests aufgebaut sind, wie sie strukturiert sind und noch nicht gegen die Zeit gearbeitet?

Daniel: Genau. Ich habe erstmal eine Stoppuhr gestartet und geschaut, wie lange ich gebraucht habe, um die Aufgaben gut zu lösen. Obwohl es da noch die einfachen Aufgaben waren, war das manchmal ein wenig erschreckend. Lasst euch gerade am Anfang nicht von schlechten Ergebnissen herunterziehen! Der Test ist nicht darauf ausgelegt, dass man alles richtig beantwortet. Niemand erwartet von einem, dass man jedes mal die vollen 24 Punkte bekommt. Die braucht man auch gar nicht.

Der TMS: Strategien für die einzelnen Untertests

Frage: Welche weiteren Strategien und Tipps hast du für die einzelnen Tests?

Daniel: Ich würde einfach mal die Tests der Reihenfolge nach durchgehen. Ich werde nicht nochmal genau durchgehen, was in den einzelnen Tests abgefragt wird, denn da kann man sich durch die MedGurus-Boxen zum Beispiel gut einarbeiten. Das sind jetzt nur meine persönlichen Erfahrungen und Dinge, die ich sonst nicht irgendwo gelesen habe.

Fangen wir an mit Muster zuordnen. Das ist der Test, bei dem man am stärksten gegen die Zeit angehen muss, abgesehen von Figuren und Fakten. Während des Trainings habe es nie geschafft fertig zu werden, aber dennoch habe ich eine Strategie entwickelt, wie ich trotzdem für mich das Maximum rausholen konnte: Die Bilder, die man vergleichen soll, haben meistens ein markantes Merkmal. Ich habe den Ausschnitt des markanten Merkmals in den Vergleichsbildern dann mit dem Originalbild verglichen und wenn ich da den Fehler nicht gefunden habe, habe ich den kompletten Rand abgesucht. Im TMS selber waren die Fehler sehr oft am Rand. Wenn ich ihn da nicht entdeckt habe, bin ich einfach weiter zum nächsten Abschnitt gegangen. Sind am Ende zwei Muster zur Auswahl übrig geblieben, bei denen ich den Fehler nicht gefunden habe, habe ich die beiden miteinander verglichen. Wenn ich aber zum Beispiel bei drei Bildausschnitten keinen Fehler gefunden, habe ich den ganzen Bildabschnitt übersprungen und die nächste Aufgabe bearbeitet. Das war im Endeffekt goldwert für mich, weil man sich sonst viel zu lange mit Details aufhält und sich an einem Bild verliert. In der Zeit kann man woanders dann schon wieder echt viele Punkte rausholen. Insgesamt ist das ein Test, den man wirklich trainieren muss und der es in sich hat. Über die gesamte Trainingsphase hinweg war das einer meiner schlechtesten Tests, aber im TMS selber habe ich ihn dann sehr gut absolviert, weil ich mich strikt an meine Strategie gehalten habe.

Man darf nicht vergessen, dass es der erste Test des Testtages ist. Da ist man noch sehr aufgeregt und die ersten 2-3 Minuten vielleicht vollkommen unkonzentriert. Ich habe es sogar tatsächlich geschafft, eine Aufgabe komplett zu überspringen und alle meine Antworten falsch einzutragen. Im Training habe ich mir zum Glück angewöhnt, alle 5-6 Aufgaben immer nochmal gegenzukontrollieren, ob ich auch wirklich bei der richtigen Aufgabe bin. Ich konnte so mit einer Minute Zeitverlust alle meine Aufgaben korrigieren und habe immer noch 17 von 20 Punkten rausgeholt. Selbst bei solchen Fehlern ist dann noch nicht alles verloren, aber man braucht das Training um zu wissen, wo sind meine Schwächen und Fehler, um im echten Test in so einer Notfallsituation reagieren zu können. Ich habe das beim Üben oft gehabt, dass in in der Zeile verrutscht bin und deshalb habe ich mir antrainiert, immer nochmal zu kontrollieren. Gerade die „Power-Phase“ zeigt einem schnell durch die anspruchsvollen Aufgaben und den hohen Zeitdruck die Fehler und Schwächen auf.

Gehen wir weiter zum Med-Nat und Textverständnis. Die beiden Teile habe ich hier zusammengefasst, weil das Textverständnis quasi Med-Nat mit einer DIN-A4 Seite Textlänge ist. Lest hierfür keine Fachliteratur, denn die ist für den TMS Zeitverschwendung. Entwickelt eure eigene Strategie und schaut, ob ihr den Text zum Beispiel ausmalen müsst, obwohl ich das ehrlich gesagt nicht empfehle. Übt das einfach hoch und runter. Mir sind die beiden Teile sehr leicht gefallen, weil ich die Phsyioausbildung und daher das medizinische Verständnis hatte. Selbst ein Bio-LK wird da aber als Hintergrundwissen auch schon hilfreich sein. Ihr müsst lernen, wie ihr mit den Texten umgeht und nicht, was der Inhalt ist, denn thematisch wird einem in der Vorbereitung kein Rahmen gegeben.

Bei Mathe scheiden sich ein bisschen die Geister. Am Anfang habe ich mit MedGurus viel gelernt, da die eine sehr gute Matheeinführung haben. Bei Smartmedix fand ich die Simulation dazu sehr gut. Ich hatte eine Freundin, die bei Mathe sehr stark die Standardherangehensweisen gelernt hat. Sie hat sich also die Aufgabentypen  angesehen und dem Typen entsprechend gearbeitet. Ich habe das eher mit logischem Denken gemacht und geschaut, dass ich mir selber eine Strategie erdenke. Damit bin ich besser gefahren als sie, weil im TMS sehr viel Logisches wie Dreisatz drankommt und keine schweren Aufgaben. Schaut eher: Was habe ich hier, was will ich am Ende als Ergebnis haben? Also eher das Schema Gegeben, Gesucht, Ergebnis.

Frage: Was ist aber mit ZuhörerInnen, die meinen, sie haben keine richtige Idee, wie sie auf das Gesuchte kommen könnten?

Daniel: Dann fährt man am besten mit den Standardverfahren. Die Aufgabentypen sind jedes Jahr sehr ähnlich und man kommt somit auch mit den Standardverfahren weiter. Das ist dann besser als gar keine Strategie in diesem Untertest zu haben.

Frage: Wie bist du mit deinen Schwachstellen umgegangen?

Daniel: Ich habe ganz bewusst Mathe, Figuren und Fakten als meine schwachen Kategorien gekennzeichnet und dann war es dann auch nur mein Ziel, über 12 von 24 Punkten zu kommen. Im Test selber hat es dann mit richtigem Raten und Glück noch zu deutlich mehr gereicht. In allen Simulationen hatte ich vielleicht 13 von 24 Punkten und war voll zufrieden damit. Man muss sich nicht auf seine Schwächen versteifen. Ich würde jederzeit 1-2 Schwächen zulassen. Nur weil es eine Schwäche ist, sollte man dennoch nicht unnötig Punkte verlieren, sondern sein persönliches Maximum herausholen und dann auch zufrieden sein. Bei mir war das bei Figuren und Fakten so: Ich hatte 15 von 20 Punkten und war im Vergleich zu anderen wirklich schlecht, aber es hat ja trotzdem gereicht. Im Endeffekt ist das Ziel, das Maximum aus sich herauszuholen.

Frage: Welche Methoden hast du für die Figuren und Fakten benutzt?

Daniel: Bei Figuren und Fakten gibt es ohne Ende Tipps auf Youtube, denn da bin ich definitiv kein Experte. Schaut euch die Videos an. Die LOKI-Methode für Fakten und die Fenster-Methode für Figuren kann ich empfehlen. Was ganz wichtig für die Figuren ist: Lernt spätestens ab der „Power-Phase“ nur noch mit Volleybällen. Volleybälle eignen sich am besten zum Lernen, da man bei den Figuren im TMS, die man wiedererkennen muss, nur runde und gleichaussehende Strukturen hat. Da kann man dann gut die Fenstermethode benutzen. Es war trotzdem aber einfach nicht meins, was ich dann auch so hingenommen habe.

Etwas, worin jeder gut ist und gut sein kann, sind die Schlauchfiguren. Da gibt es eine gute Strategie von den MedGurus. Wenn man da nicht gut drin ist, muss man den einfach trainieren, weil man da wirklich so seine 22 von 24 Punkten schaffen kann. Es geht viel um räumliches Denken. Jeder, mit dem ich geschrieben und geredet habe, fand Schlauchfiguren zwar am Anfang schwer, aber wenn man im Training ist und anwendet, was in den Büchern steht, dann schafft man da fast die volle Punktzahl. Kleiner Tipp: Wer bei den Schlauchfiguren im TMS schnell durchkommt, kann die Pause bis zum Matheteil gezielt als Toilettenpause nutzen. Das sollte man auch machen, weil sonst ist man bei konzentrierten Arbeiten, was danach kommt, zu hibbelig.

Frage: Welche Tipps kannst du zum konzentrierten Arbeiten geben?

Daniel: Ich würde sagen, konzentriertes Arbeiten kann man auch wirklich bis kurz vor dem Test noch üben, auch bis 2 Tage vorher, denn das ist entspannt. Es ist egal, ob man einen Filzstift oder Fineliner zum Durchstreichen benutzt. Der wohl wichtigste Tipp: Lasst euch im Test nicht verunsichern. Ich hatte ein sehr schweres konzentriertes Abreiten: Im Training bin ich sonst immer bis Zeile 30 gekommen, aber im Test selber dann nur bis Zeile 14, aber im Vergleich zu anderen war das trotzdem sehr gut. Da kommt es dann darauf an, wer ruhiger bleibt und konzentriert rangeht. Das ist einfacher gesagt als getan, aber das kann man trainieren.

Frage: Welche Tipps hast du noch zum letzten Testteil, den Diagrammen?

Daniel: Da macht es definitiv den Unterschied, ob man vorher schon Simulation gemacht hat. Dann weiß man, wie ausgelaugt man zu dem Zeitpunkt sein wird. Ganz ehrlich, hier heißt es dann Durchziehen. Es gibt typische Tricks und Fallen, die man bei MedGurus gut sieht. Hier kann ich Smartmedix nicht empfehlen, das frustriert nur. Smartmedix ist in jeder anderen Kategorie genauso gut wie MedGurus, aber bei Diagrammen definitiv nicht. Bei den Diagrammen muss man  manchmal ein wenig rechnen und seid da nicht zu faul zu, denn das sind goldene Punkte, die man da rausholt. Das macht im Endeffekt den Unterschied zu den anderen, die dann wirklich keine Energie mehr haben.

Der TMS: Testtag

Frage: Hast du während des Testtages schon rausgefunden, ob es den anderen auch so schwer gefallen ist? Hast du in der Pause mit anderen gesprochen?

Daniel: Ich habe es nicht gemacht. Allerdings habe ich zwischendurch in der Whatsappgruppe, die sich aus der Facebookgruppe heraus gebildet hat, einmal kurz reingeschaut. Die Nachrichten waren voll davon, wie schwierig der Teil gewesen ist. Es tat gut zu sehen, dass es nicht nur mir so ging, aber eigentlich würde ich empfehlen, nicht mit anderen zu reden. Lieber Ohrstöpsel rein und am besten einfach nur für sich sein.

Frage: Dein Ergebnis von 99% heißt nicht, dass du auch 99% des Test richtig beantwortet hast, richtig?

Daniel: Genau. Zu meinem Ergebnis muss man auch dazu sagen, dass das auch immer etwas mit Glück zu tun hat, weil du immer auch rätst. Es gibt Fragen, die im Test gestellt werden und am Ende nicht in die Bewertung mit einfließen. Wenn du Pech hast, waren genau diese Fragen bei dir richtig und die, die bewertet wurden, falsch. Die Leistung im Test ist auch sehr tagesformabhängig, da lediglich eine Momentaufnahme genommen wird. Du kannst alles dafür tun, um am Testtag topfit zu sein, aber wenn du den Fehler machst, dich zu sehr reinzuhängen und die Woche vor dem Test noch komplett durchzuziehen, kannst du am Ende auch nicht mehr das leisten, was du leisten wolltest, weil du selbst total ausgelaugt bist.

Lucas & Justin: Oft wird berichtet, dass die Testbedingungen echt sehr unterschiedlich sein können. Manchmal ist es zu laut oder es herrschen viel zu hohe Temperaturen im Raum. Das hat dann schon einen sehr großen Einfluss auf die Leistung, wenn man mehrere Stunden im Testraum sitzt.

Daniel: Ich hatte da sehr viel Glück und hatte perfekte Testbedingungen. Es wurde dafür gesorgt, dass wir gute Bedingungen hatten. Man darf nicht vergessen, dass es eine wirklich große Anforderung an den Körper ist und man das nicht unterschätzen sollte, wenn man sechs Stunden im Testraum sitzt und friert, was das für einen Unterschied macht. Das ist dann natürlich einfach Pech.

Frage: Würdest du sagen, du warst am Testtag selbst genauso ausgelaugt wie in den Simulationen vorher?

Daniel: Ich war sehr ausgelaugt, aber es war trotzdem eher ein positiver Unterschied. Ich war voller Tatendrang. Ich denke mal, da wird Adrenalin mit im Spiel sein. Am Ende ist man sowieso immer aufgeregt, aber man kann es schaffen, das ins Positive umzuwandeln.

Frage zum Abschluss: Hast du noch ein paar Tipps generell um den Testtag herum? Wie ist es dir ergangen?

Daniel: Es ist wie sagt eine Momentaufnahme und für viele alles oder nichts, um in den Studiengang zu kommen. Man kann sich mit dem richtigen Training vorher so ein bisschen den Druck rausnehmen. Vorher wird man sich definitiv immer Panik machen, egal wie trainiert man ist, aber im Moment selber fällt man dann wieder in die Routine und das hilft sehr. Die Woche vorher macht ihr nichts mehr, nur noch hier und da ein wenig konzentriertes Arbeiten. Das ist wichtig, damit ihr nicht völlig überarbeitet in den Test reingeht.

Es ist ein Marathon und kein Sprint. Wenn ihr den Matheteil verhaut, habt ihr danach immer noch so viele Kategorien. Man muss ja jetzt nicht mehr die 90% schaffen, sondern bekommt auch mit weniger Prozenten Punkte. Jeder Punkt, den ihr im TMS macht, ist im Verfahren für den Studienplatz wichtig. Nehmt euch die Zeit und Ruhe und geht jede Aufgabe neu an. Studentenfutter zu essen hat mir in der Pause geholfen und hat mir wieder viel Energie gegeben. Die Toilettenpause im Schlauchfiguren-Teil ist auch wichtig, denn lieber fehlen euch zwei Minuten bei Mathe als später beim konzentrierten Arbeiten.

Der TMS ist ein Abspulen von dem, was man vorher trainiert hat. Was mir persönlich auch noch echt wichtig ist: Hört auf die Anweisungen der Testleiter und befolgt 1:1 was sie sagen, sonst habt ihr unnötig Punkte verloren oder etwas wird nicht gewertet. Die Anweisungen sind schon nochmal anders als in der Simulation. Die MedGurus bieten an, dass sie den Test schreiben und so tun, als wären sie die Testleiter, aber das habe ich nicht gebraucht bzw. fand es nicht notwendig.

TMS-Vorbeitungskurse: Sinnvoll oder nicht?

Frage: Was hältst du von Vorbereitungskursen zum TMS?

Daniel: Ich habe drüber nachgedacht, solche zu machen, aber ich muss sagen, dass es mir zu teuer war. Für mich persönlich waren sie nicht notwendig, aber das muss jeder selber wissen und da gibt es ohne Ende Erfahrungsberichte zu. Manche schwören auf diese Kurse, aber ich hatte lieber meine Zeit für mich, wo ich mich selber in den Aufgaben finden und schauen konnte, wie ich an alles herangehe. Manchmal haben die schon auch ganz gute Expertentipps und Herangehensweisen. Wenn man also das Geld über hat, wieso nicht. Wenn man Motivationsprobleme hat, was bei vier Monaten Vorbereitung passieren kann, hab ich mich dann lieber mit einer Freundin zusammengetan und wir haben gemeinsam gelernt. So gehe ich jetzt auch an mein Studium heran.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Tipps

  • Die Vorbereitung ist mehr Training als Lernen: Lernt Strategien statt Fakten
  • Teilt den Lernplan in zwei Teile: „Light-Phase“ und „Power-Phase“
      • „Light-Phase“:
        • Dauer: 2,5 Monate
        • Vorgehen: mit den Untertests vertraut machen und Strategien entwickeln
      • „Power-Phase“
        • Dauer: 1,5 Monate
        • Vorgehen: An Testbedingungen orientieren, Routinen schaffen und Reihenfolge der Tests beim Trainieren beibehalten
  • Materialien zur Vorbereitung: Boxen von den MedGurus, Smartmedix und Simulationen des Stark-Verlags
  • Nutzt Facebookgruppen, um euch mit anderen auszutauschen und Lernpartner zu finden
  • Tipps für die einzelnen Untertests:
    • Muster zuordnen: auf markante Merkmale achten, den Rand absuchen und zur nächsten Aufgabe wechseln, wenn mehr als zwei Bildabschnitte übrig bleiben
    • Med-Nat und Textverständnis: Lernt, mit Texten umzugehen, nicht was der Inhalt ist
    • Mathe: Logisches Denken statt Vorgehensweisen auswendig lernen: Gegeben, Gesucht, Ergebnis
    • Figuren und Fakten: lernt mit Volleybällen, LOKI-Methode für Fakten, Fenster-Methode für Figuren
    • Nutzt den Schlauchfigurenteil für eine Toilettenpause
    • Konzentriertes Arbeiten: bis kurz vorm Testtag noch üben, ruhig und konzentriert bleiben
    • Diagramme: typische Tricks und Fallen werden in der MedGurus-Box behandelt
  • Jeder Prozentpunkt im TMS zählt: selbst wenn ihr einen Untertest verhauen habt, gebt nicht frühzeitig auf
  • Versteift euch nicht auf Schwachstellen: Akzeptiert sie und holt euer persönliches Maximus heraus

Podcastfolge zum Interview