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Dauer und Ablauf des Medizinstudiums: Das solltest du wissen

Was wird dich im Verlauf deines Studiums erwarten? Wie viel Zeit solltest du für das komplette Studium einplanen? Bevor du mit deinem Studium beginnst, solltest du dich genau über diese Dinge informieren, um auf alles vorbereitet zu sein. In diesem kleinen Blogartikel soll es um das Medizinstudium im Allgemeinen gehen. Wir erklären dir einfach und verständlich, wie der Studiengang aufgebaut ist und worauf du dich eventuell schon im Vorhinein vorbereiten solltest.

Ablauf

Bevor du mit deinem Medizinstudium beginnst, solltest du dich genau darüber informieren, was dich im Verlauf des Studiums erwartet und wie der Ablauf ist. In diesem Blogartikel soll es um das Medizinstudium im Allgemeinen gehen. Wir erklären dir einfach und verständlich, wie der Studiengang aufgebaut ist und klären die spannende Frage: wie lange dauert ein Medizinstudium?

Ablauf des Medizinstudiums

Das Medizinstudium dauert in der Regelstudienzeit insgesamt 12 Semester (bzw. 6 Jahre) und lässt sich in 3 Studienabschnitte unterteilen:

  1. Vorklinik (1. – 4. Semester) → erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Physikum)
  2. Klinik (5. – 10. Semester) → zweiter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (Hammerexamen)
  3. Praktisches Jahr/PJ (11. und 12. Semester) → dritter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung

Diese 3 Studienabschnitte gelten nur für den Aufbau des Regelstudiengangs. Wer im Modellstudiengang studiert, muss kein Physikum absolvieren. Außerdem bekommt er schon in den ersten Semestern Einblicke in die Klinik.

Vorklinik (1. – 4. Semester)

Der Ablauf des Medizinstudiums beginnt mit dem ersten Abschnitt und wird Vorklinik genannt. Dieser dauert in der Regel vier Semester. Im Regelstudiengang ist der Inhalt des ersten Semesters sehr auf naturwissenschaftliche Unterrichtsfächer wie Physik, Chemie und Biologie ausgerichtet. Gleichzeitig wird auch mit der Lehre der Anatomie begonnen – sowohl theoretisch, als auch praktisch im Präpariersaal. Zusätzlich gibt es auch andere grundlegende Fächer wie Histologie, Physiologie, Biochemie, Psychologie und Terminologie. Im Vergleich zu anderen Studiengängen gibt es im Medizinstudium jedoch weniger Wahlfächer und mehr Pflichtveranstaltungen.

Während des Studiums ergänzen die praktischen Inhalte das erlernte theoretische Wissen. Das geschieht in Form des Krankenpflegepraktikums und der Erste-Hilfe-Ausbildung. Das Krankenpflegepraktikum muss spätestens bis zum Physikum absolviert worden sein. Dies kann in der vorlesungsfreien Zeit oder sogar schon vor der Bewerbung für das Medizinstudium geschehen. Viele Studenten/innen, die das Krankenpflegepraktikum vor Beginn des Studiums absolviert haben, berichten, dass sie mehr Zeit für anderen Dinge wie Urlaub, Lernen oder zusätzliche Praktika nach den ersten vorklinischen Semestern hatten. Das heißt, dass es für Abiturienten/innen mit dem Wunsch ein Medizinstudium zu beginnen, sehr empfehlenswert ist, schon nach dem Abitur ein Praktikum zu machen. Dabei ist zu beachten, dass die Praktikumsbescheinigung nur zwei Jahre lang gültig ist.

Der erste Abschnitt im Ablauf des Medizinstudiums, die Vorklink, wird mit dem ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung abschlossen, dem sogenannten Physikum. Diese Prüfung besteht aus einem mündlichen und einem schriftlichen Teil. Im schriftlichen Teil müssen 320 Multiple-Choice Fragen an zwei Tagen beantwortet werden. Im mündlichen Teil erwarten den/die Studenten/in drei 20 bis 30-minütige Prüfungsgespräche zu bestimmten Fächern mit dem/der jeweiligen Dozenten/in. Nach der neuen Approbationsordnung werden diese Prüfungsgespräche zu den Fächer Anatomie, Physiologie und Biochemie geführt. Beide Prüfungsteile können voneinander unabhängig bestanden werden. Wer beim ersten Versuch also nur den mündlichen Teil besteht, der muss im nächsten Semester noch die schriftliche Prüfung nachholen.

Klinik (5. – 10. Semester)

Spätestens jetzt beginnen die Augen der Studierenden zu leuchten. In der Regel findet jede/r Medizinstudent/in während des Ablaufs des Studiums mindestens ein klinisches Fach, für das er/sie sich begeistert. Innerhalb des Abschnittes der Klinik bekommen die Studierenden Einblicke in „echte“ medizinische Bereiche wie die Gynäkologie, die Innere Medizin, die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, die Psychiatrie und die Anästhesiologie. In dieser Zeit wird oft die Entscheidung getroffen, welche Facharztausbildung der/die Student/in nach dem Studium beginnen möchte.

Während der Klinik werden auf Basis der vorklinischen Unterrichtsfächer die im klinischen Alltag auftauchenden Krankheiten erarbeitet und der patientengerechte Umgang erprobt. Aus diesem Grund absolvieren die Studierenden in regelmäßigen Abständen sogenannte Blockpraktika im Krankenhaus.

Im Regelstudiengang beginnt der klinische Abschnitt des Medizinstudiums mit dem fünften Semester, also nach Bestehen des Physikums. Im Modellstudiengang sind klinische Inhalte dagegen ab dem ersten Semester Standard. Insgesamt dauert die Klinik fünf Semester (also bis zum 10. Semester). Anschließend beginnt das Praktische Jahr.

So ähnlich wie das Krankenpflegepraktikum in der Vorklinik, so muss auch innerhalb des zweiten Studienabschnittes eine praktische Leistung erbracht werden. Diese wird in der Klinik als Famulatur bezeichnet und ist in der vorlesungsfreien Zeit zu absolvieren. Insgesamt besteht die volle Leistung aus vier kleinen 30-tägigen Famulaturen.

Oftmals nutzen die Studenten/innen die Famulatur als eine gute Möglichkeit, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Nicht nur das Fach, sondern auch das Land, in welchem die praktische Leistung erbracht wird, kann von dem/der Studenten/in selbst ausgewählt werden. So kann auch der Umgang mit Patienten/innen auf einer Fremdsprache geübt und neue Kulturen und Krankenhäuser kennengelernt werden.

Die Klinik wird mit dem zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung abschlossen: dem sogenannten Hammerexamen. Dieses wird in eine schriftliche und eine mündliche Prüfung unterteilt. Im schriftlichen Teil des Examens muss der/die Student/in Multiple-Choice Fragen zu Inhalten aller klinischen Fächer beantworten. Der mündliche Teil hingegen wird erst nach dem Praktischen Jahr absolviert. Bis zur Prüfung müssen alle Pflichtfamulaturen nachgewiesen werden. Insgesamt gilt das Hammerexamen als die größte Prüfung im Rahmen des Medizinstudiums.

Praktisches Jahr / PJ (11. – 12. Semester)

Das Praktische Jahr (PJ) teilt sich in drei Tertiale auf, die jeweils 16 Wochen dauern. Heutzutage sind die Tertiale in den Fächern Chirurgie und Inneren Medizin obligatorisch. Das dritte Fach wird von dem/der Studenten/in selbst ausgewählt. Auch hier wird von Studenten/innen gern die Möglichkeit eines Auslandsjahres in Anspruch genommen.

Die Anerkennungsvoraussetzungen für ein PJ im Ausland unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Deswegen ist es empfehlenswert, sich rechtzeitig vor einem Auslands-PJ mit dem zuständigen Landesprüfungsamt in Verbindung zu setzen. Auch die Kliniken im Ausland erwarten eine frühzeitige Bewerbungen. Die beliebtesten Plätze werden sogar zwei Jahren im Voraus vergeben.

Das ambulante Tertial im Bereich der Allgemeinmedizin soll ab dem Jahr 2020 ebenfalls obligatorisch werden. Grund dafür ist, dass die Studenten/innen zu wenig Interesse an der Allgemeinmedizin zeigen und gleichzeitig der Mangel an Landärzten/innen steigt.

Doktorarbeit

Viele Patienten/innen legen großen Wert darauf, ob ihr/e behandelnde/r Arzt/Ärztin einen Doktortitel besitzt. Dieser wird einem allerdings nicht automatisch nach Ablauf des Medizinstudiums zuteil. Oft arbeiten Medizinstudenten an ihrer Doktorarbeit sogar schon während des Studiums. Dies kann auch der Grund für die Verlängerung dessen sein. Aktuell promovieren ca. 66 % der Humanmediziner. Ob sich die Promotion für dich lohnt, musst du selber entscheiden. Über das fachliche Können im Umgang mit Patienten/innen sagt der Doktortitel allerdings nichts aus.

Dauer des Medizinstudiums

Das Medizinstudium dauert im Vergleich zu anderen Studiengängen sehr lange, das ist kein Geheimnis! Die Regelstudienzeit für das Studium variiert je nach Bundesland zwischen 12 und 13 Semestern. Das sind umgerechnet circa sechs bis sechseinhalb Jahre. Allerdings schafft es nur die Minderheit der Medizinstudenten, das Studium innerhalb der Regelstudienzeit abzuschließen. Da das Studium sehr zeitintensiv ist und sogar in der vorlesungsfreien Zeit Praktika zu absolvieren sind, bleibt den StudentInnen sehr wenig Zeit für sich selbst.

Durchschnittliche Studienzeit für Medizin

Ist es möglich, das Medizinstudium in der Regelstudienzeit abzuschließen? Zwar beträgt die Regelstudienzeit nur 12 Semester, im Schnitt brauchen MedizinstudentInnen aber 12,9 Semester, um das Studium vollständig abzuschließen.

Facharztausbildung

Solltest du nach Ablauf deines Studiums noch eine Facharztausbildung anstreben, bedeutet das für dich noch weitere fünf bis sechs Jahre Ausbildung. Wird die wöchentliche Arbeitszeit auf Teilzeit reduziert, so verlängert sich die Ausbildungszeit natürlich. Ein Vorteil gegenüber des Studiums ist allerdings, dass du so schon ein bisschen Geld verdienst. Nach dem Abschluss der Ausbildung musst du dann eine Facharztprüfung absolvieren.

Wusstest du schon, dass eine Zulassung zum Medizinstudium auch ohne Abitur möglich ist? Wenn du mehr dazu wissen möchtest, lies dir unseren Artikel „Ohne Abitur Medizin studieren: Ist das möglich?“ durch.

Podcast zu Ablauf und Dauer des Medizin Studiums

Du willst noch mehr ins Detail gehen? Unser Autorenteam hat zu dem Artikel eine neue Episode im Podcast Küchenmedizin veröffentlicht. In dieser Episode erfährst du alle wichtigen Informationen die du zum Ablauf des Medizinstudiums brauchst. Was ist die Vorklinik? Welche Fächer hat man dort? Was ist die Klinik?

Shownotes:
Vorklinische Fächer – 03:00
Anatomie und Präpkurs – 10:40
Biologie, Physik, Chemie – 14:15
Histologie – 21:00
Physiologie und Biochemie – 21:25
Prüfungen in der Vorklinik – 26:30
Krankenpflegepraktikum – 28:25
Physikum – 30:25
Klinischer Studienabschnitt – 35:30
Praktisches Jahr 41:50