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Landarztquote: Chancen, Bewerbung, Ablauf

Justin
12.02.2022
4 Min

Durch das neue Zulassungsverfahren für zulassungsbeschränkte Studiengänge wie Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie ergeben sich viele neue Möglichkeiten, einen Studienplatz zu erhalten. Neben der Abiturbestenquote, dem Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) und der Zusätzlichen Eignungsquote (ZEQ) gibt es nun eine weitere Quote, die sogenannte Landarztquote. Im Folgenden erfährst du, welche Bundesländer die Landarztquote anbieten und was du für die Bewerbung wissen musst!

Was ist die Landarztquote?

Über die Landarztquote wird ein Teil der Studienplätze für das Medizinstudium vergeben. Die Zahl der angebotenen Studienplätze kann sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Die Quote ist für Studienbewerber/innen gedacht, welche Interesse an der hausärztlichen Tätigkeit zeigen und/oder gerne im ländlichen Raum arbeiten möchten. Letztendlich musst du in diesem Zusammenhang jedoch auch einen Vertrag unterschreiben, der eine Weiterbildung als Facharzt für Allgemeinmedizin/Innere Medizin verbindlich macht. Ebenso musst du die spätere Tätigkeit in einem sogenannten „unterversorgten“ oder von „Unterversorgung bedrohten Gebiet“ ausüben. Diese Gebiete finden sich zumeist im ländlichen Bereich.

Welche Bundesländer bieten die Landarztquote an?

Welches Bundesland die Landarztquote anbietet, findest du auf Hochschulstart. Derzeit bieten die folgenden sieben Bundesländer die Quote an (Stand Februar 2022) :

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen-Anhalt
  • Saarland

Obwohl sich die Auswahlquote der Bundesländer grundsätzlich ähnelt, fällt die Gewichtung der einzelnen Kriterien teilweise unterschiedlich aus. Eine Zulassung bezieht sich lediglich auf Universitäten im jeweiligen Bundesland.

Baden-Württemberg

Das Aaswahlverfahren für die Bewerbung über die Landarztquote in Baden-Württemberg gliedert sich in zwei Stufen. In einem ersten Schritt, dem elektronischen Bewerbungsverfahren, werden folgende Auswahlkriterien berücksichtigt:

Schritt 1

  • TMS (Medizinertest)
  • Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf
  • Dauer der Berufstätigkeit
  • Art und Dauer einer ehrenamtlichen Tätigkeit
  • Nachweis über einen Freiwilligendienst

Schritt 2

Die 150 Bewerber/innen mit der höchsten Punktzahl bekommen anschließend eine Einladung zu einem Auswahlgespräch. Die Bewerber/innen, die die 75 besten Gesamtpunktzahlen aus Stufe 1 und 2 vorweisen können, erhalten ein Studienplatzangebot.

Bayern

Grundsätzlich lässt sich das Auswahlverfahren in zwei Stufen einteilen. In einem ersten Schritt werden folgende Auswahlkriterien berücksichtigt:

Schritt 1

  • TMS (Medizinertest)
  • Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf
  • Dauer der Berufstätigkeit
  • Art und Dauer einer ehrenamtlichen Tätigkeit
  • Bundesfreiwilligendienst oder FSJ

Schritt 2

Anschließend finden strukturierte Auswahlgespräche statt, in denen die Motivation, persönliche Eignung und relevante Kernkompetenzen überprüft werden.

Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern besitzt ebenfalls ein 2-stufiges Auswahlverfahren. In einem ersten Schritt werden folgende Auswahlkriterien berücksichtigt:

Schritt 2

Anschließend erfolgen wieder strukturierte Auswahlgespräche. Hier kannst du das Komitee von deinen sozial-kommunikativen Fähigkeiten und deiner fachlichen Eignung überzeugen.

Nordrhein-Westfalen

Wer sich für einen Studienplatz in Nordrhein-Westfalen bewerben möchte, durchläuft auch hier ein zweistufiges Auswahlverfahren.

Schritt 1

Bei der Bewerbung werden drei Kriterien berücksichtigt:

Schritt 2

Anschließend finden strukturierte Auswahlgespräche statt. Spezifisches Fachwissen musst du nicht vorweisen können, denn es geht eher darum, deine personalen und sozial-kommunikativen Kompetenzen zu testen. Es wird sowohl fragenbasierte Interviews als auch kurze Rollenspiele geben.

Rheinland-Pfalz

Eine Hochschulzugangsberechtigung ist obligatorisch. Zusätzlich können dir noch folgende Qualifikationen zu einem besseren Punktwert verhelfen:

Schritt 1

  • TMS (Medizinertest)
  • Berufsausbildung in einem Gesundheitsberuf
  • Nachweise über berufliche, praktische oder ehrenamtliche Tätigkeiten (es wird nur eine berücksichtigt)

Schritt 2

Anschließend finden strukturierte Auswahlgespräche statt. Medizin-spezifisches Fachwissen brauchst du nicht.

Sachsen-Anhalt

Die Bewertung der Kriterien, um in Sachsen-Anhalt im Rahmen der Landarztquote Medizin studieren zu können, setzen sich wie folgt zusammen:

  • Abiturdurchschnitt: 10%
  • Ergebnis des spezifischen Studierfähigkeitstests (in Magdeburg geschrieben oder online): 50%
  • Berufsausbildung/Berufstätigkeit/praktische Tätigkeit: 40%

Wie du siehst, spielt deine Abinote in Sachsen-Anhalt eine eher untergeordnete Rolle, was dir auch ohne 1,0er-Abitur also zu einem Medizinstudienplatz verhelfen kann. Auswahlgespräche gibt es nicht.

Saarland

Zuerst findet eine Vorauswahl der Bewerber/innen statt. Die Bewertung erfolgt Anhang folgender Kriterien:

  • Abiturdurchschnitt: 30%
  • TMS (Medizinertest): 30% (Der Nachweis des TMS ist keine Zulassungsvoraussetzung, erhöht jedoch die Chancen, ausgewählt zu werden!)
  • Einschlägige Berufserfahrung und Ausbildungszeiten (max. 48 Monate): 40%

Anschließend finden strukturierte Auswahlgespräche statt. Es handelt sich hierbei um ein standardisiertes Interviewverfahren, in dem deine personalen und sozial-kommunikativen Kompetenzen geprüft werden. Medizinisches Fachwissen wird nicht vorausgesetzt.

Der Bewerbungsprozess für die Landarztquote

Zunächst solltest du wissen, dass für die Bewerbung das Einsenden deiner Unterlagen an die Bewerbungsstelle des jeweiligen Bundeslandes nicht ausreicht. Vielmehr benötigst du eine individuelle Bewerber-ID, welche du dir im Portal von Hochschulstart einrichten kannst. Anschließend benötigst du eine Registrierung im Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV). Ebenfalls musst du den „bundesland-spezifischen“ Vertrag für die Landarztquote unterschrieben abgeben. Was du außerdem noch an Bewerbungsunterlagen benötigst, kannst du jederzeit auf den jeweiligen Internetseiten der Länder nachlesen.

Zusammenfassend brauchst du also in jedem Fall:

  • Ein elektronisch ausgefülltes Bewerbungsformular
  • Eine zusätzlich ausgedruckte und unterschriebene Bewerbung (dazu zählt auch der Vertrag für die Landarztquote)
  • Einen registrierten Account bei Hochschulstart (sowie eine Registrierung im Dialogorientierten Serviceverfahren)

Darüber hinaus solltest du dich auf der jeweiligen Internetseite informieren, welche Unterlagen du zusätzlich einschicken musst.

Wenn dir Begriffe wie „Hochschulstart„, „Dialogorientiertes Serviceverfahren“ und das damit verbundene Procedere (wie z.B. Zulassungsbescheid/Ablehnungsbescheid) noch nichts sagen, findest du hier eine detaillierte Beschreibung zum Bewerbungsprozess.

Justin

Justin ist gebürtiger Hamburger, 24 Jahre alt und studiert Medizin im fünften Jahr an der Uni Magdeburg. Neben seiner Autorentätigkeit bei medizinzinstudium.io führt er mit seinem Mitbewohner den erfolgreichen Podcast “Küchenmedizin”, in welchem die beiden über die Bewerbung für das Medizinstudium aufklären, tiefe Einblicke in das Studium geben und interessante Gäste wie z.B. Ärzt/innen aus verschiedenen Fachrichtungen oder Betroffene verschiedener Krankheitsbilder interviewen.